„Wenn ich schon keine Wahl habe, tue ich nicht mehr so, als hätte ich eine.“

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Am Wahlsonntag hatten wir von 11-18 Uhr auf dem Schlossplatz in Stuttgart unseren Infostand mit der Gläsernen Urne aufgebaut. Die Stimmung war teilweise sehr aggressiv, wie wir das noch nicht erlebt hatten: Ohne dass wir Gelegenheit hatten, unsere Aktion und unsere Beweggründe zu erklären, wurden wir beleidigt und beschimpft, manch einer war der Ansicht, allein die Tatsache, dass wir mit „der Aktion“ auf dem Schlossplatz stehen dürften, zeigte doch, dass mit unserer Demokratie alles in Ordnung sei. Das sehen wir freilich anders. Doch es gab auch sehr gute Gespräche mit Menschen, die unsere Initiative nicht kannten, neugierig waren und sich auf das Gespräch und die Diskussion mit uns einließen, auch wenn sie selbst am Morgen schon wählen waren.

An unserem Infostand konnte man die Wahlbenachrichtigung in die Gläserne Urne einwerfen und/oder eine Begründung, weshalb man nicht mehr wählen geht und erklären, ob man wieder wählen gehen würde, wenn es ein Kästchen auf dem Stimmzettel gäbe: „Ich will keine der zur Wahl stehenden Parteien wählen“.

34 Menschen haben per Post oder vor Ort in Stuttgart bei unserer Aktion mitgemacht. Das ist nicht viel. Aber wir freuen uns über jede einzelne Stimme in diesem Land, die bei dem elenden Politikspielchen nicht mehr mitmachen will.

Jeder dieser Menschen hat dafür seine Gründe. Einige haben ihren Wahlboykott schriftlich begründet, worüber wir uns ganz besonders freuen. Wir wollen diese hier – wie angekündigt – veröffentlichen (alle  wollten anonym bleiben). (Die Wahlbenachrichtigungen wurden inzwischen datenschutzkonform vernichtet).

Begründungen für den Wahlboykott:

1) „Ich gehe nicht wählen, weil wir unser Privateigentum nicht zu Gemeinweseneigentum zusammenlegen. Unter warenproduzierenden Bedingungen hat keine Partei die Möglichkeit, eine menschenwürdige Politik zu gestalten.“

2)                           „Warum ich erstmals nicht wählen gehen möchte

Parteien sind sinnlos. Die drängenden Probleme dieser Erde könnten nur durch eine gemeinsame Anstrengung aller bearbeitet werden. Dabei kommt es auf Wissen an und Demut. Die grundlegende Eigenschaft des Menschen nach „mehr“ wird durch die kapitalistisch geprägte Wirtschaftsordnung bedient.

Wachstum der Wirtschaft bedeutet immer Raubbau an der Erde, Kriege um Wasser, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Land.

[P.J. Dunning (1860): „Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinen Profit, wie die Natur von der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv und waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“]

Regieren in meinem Sinne würde bedeuten, diesem, heute globalisierten, „Kapital“ die Stirn zu bieten, das mit Söldnern, Auftragsmördern und/oder Bürgerkriegstreibern antworten würde, aktuell an vielen Schauplätzen dieser Welt – für uns schön aus der Ferne – zu beobachten ist.

Ich habe keine „Wahl“: das Kapital sitzt mit seinem Geld immer am längeren Hebel und selbst wenn die Politiker aller Parteien wollten (was ich bezweifele), hätten sie dagegen keine Chance. Wenn ich schon keine Wahl habe, tue ich nicht mehr so, als hätte ich eine und gehe auch nicht mehr hin.“

3) „Ich würde NEIN! wählen, wenn es diese Möglichkeit gäbe. Ich gehe nicht wählen, weil ich den Politikern keinerlei Legitimation geben will, für mich „Politik zu machen“. Ich mache lieber selber Politik, bzw. drücke meine Meinung aus.“

4) „Ich würde NEIN! wählen, wenn es diese Möglichkeit gäbe, ich würde eigentlich erst die Voraussetzungen fürs Wählen schaffen wollen: Gleichberechtigt. Abschaffung der Korruption in den Ämtern!“

5) „Ich gehe nicht wählen, weil es gute Gründe gibt!“

6) „Ich würde NEIN! wählen, wenn es diese Möglichkeit gäbe. Ich gehe nicht wählen, weil ich in 20 Jahren (mit 80) nicht noch mal meine Illusionen (in die nächste Partei) in den Sand gesetzt sehen will.“

7) „Ich will ein neues System!“

8) „Ich gehe nicht wählen, wegen:
Hochverrat deutscher Politiker – ZDF Frontal 21 https://youtu.be/cUWkL_LRIF4
Willy Wimmer (CDU): “Flüchtlinge werden missbraucht, Bürgerkrieg geplant” https://youtu.be/qGunurcJxfg via @YouTube“

9 + 10) Zweimal war der Kommentar bildlich: Auch dazu gibt’s ein Hintergrund-Video bei youtube: https://www.youtube.com/watch?v=eSANwJYYU5I 😉

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